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Rat im Reich der Mitte gefragt (21.11.2009)

Hans-Werner Bärsch reist als Pflege-Experte nach China / Ein-Kind-Politik stürzt Milliardenvolk in ein Dilemma

Brandis. Von einer Tagung, die sich mit Problemen der Altenpflege befasste, kehrte Hans-Werner Bärsch kürzlich aus China zurück. "Kein Land der Erde steht auf diesem Gebiet vor derart gewaltigen Herausforderungen wie das Milliardenvolk", fasste Bärsch seine Eindrücke zusammen.

Der Macherner gehörte als landesweit anerkannter Experte im Bereich der Altenpflege einer zehnköpfigen deutschen Delegation an. "Wir gelten in Asien als Musterländle, was dieses Thema anbelangt", so der Vorsitzende des Fördervereins Altershilfe Muldental. China stehe derzeit vor einer nahezu unlösbaren Aufgabe, so Bärsch. Die aus Angst vor einer weiteren Bevölkerungsexplosion propagierte Ein-Kind-Politik stürze die Gesellschaft in ein Dilemma. "Es ist niemand mehr da, der sich um die alten Leute kümmert. Die Einzelkinder stehen vor der Aufgabe, beide Elternteile und im ungünstigen Fall noch vier Großeltern zu versorgen." In der früheren Großfamilie seien die älteren Menschen traditionell zuhause gepflegt worden - in der Regel von der Schwiegertochter. Diese Strukturen, die über Jahrhunderte funktionierten, seien gerade dabei zusammenzubrechen. Familienbindungen, die früher auf dem Lande eine Betreuung der Hochbetagten überhaupt erst garantierten, seien in Auflösung begriffen. "Hinzu kommt, dass nur die Hälfte der Chinesen eine Rente bezieht." Die wenigen Pflegeheime, die es gibt, könne sich kaum jemand leisten. "Ich hatte den Eindruck, dass dort vorrangig langjährige Parteikader untergebracht werden." Allmählich dämmere der Regierung, dass man etwas tun müsse, um für den demografischen Wandel gewappnet zu sein. Deshalb, so Bärsch, habe das Pekinger Ministerium zur Förderung der sozialen Wohlfahrt auch zu dieser hochkarätig besetzten Konferenz eingeladen. Tagungsort war Tianjin, 130 Kilometer von der chinesischen Hauptstadt entfernt.

Ein großes Problem, das wurde unter anderem beim Besuch des mit 500 Betten größten chinesischen Pflegeheimes in Peking deutlich, sei der Mangel an qualifizierten Pflegekräften. "Von einer Ausbildung kann man nicht wirklich sprechen. Während man in Deutschland drei Jahre die Schulbank drücken muss, um die nötige Qualifikation zu erlangen, reicht in China derzeit ein 40-Stunden-Kurs." Gesundheitsbehörden würden Arbeitslose schulen, um der explosionsartig steigenden Nachfrage nach Pflegern gerecht zu werden. "Denen werden aber nur minimale Kenntnisse vermittelt." Besonders beim Thema Ausbildung sieht Bärsch einen Ansatzpunkt, die Chinesen mit deutschen Erfahrungen zu unterstützen. Experten gehen davon aus, dass China in naher Zukunft zehn Millionen Pfleger braucht, um die schnell alternde Bevölkerung zu versorgen. "Was sicher nicht funktioniert - das deutsche System einfach zu kopieren. Die Chinesen müssen für sich Lösungen finden, wie sie Pflegeheime gestalten." Investoren aus Übersee hätten zum Beispiel einen Heimtyp aus den USA eins zu eins in die Landschaft geklotzt. "Das Haus steht leer, weil es die Chinesen nicht annehmen." Regionale Befindlichkeiten und Lebenserfahrungen, so Bärschs Rat, müssten bei den derzeitigen Planungen im Reich der Mitte auf jeden Fall berücksichtigt werden.

Text zum Foto: Sprach unter anderem zum Thema Demenz: Hans-Werner Bärsch bei einer Tagung der chinesischen Regierung zu Problemen der Altenpflege.

Simone Prenzel
Leipziger Volkszeitung Ausgabe Muldental 28.10.2009 Seite 17

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