Förderverein Altershilfe Muldental e.V.
 
   

Förderverein Altershilfe Muldental e.V., An den Birken 1, 04821 Brandis

 
Startseite
Wer wir sind
Aktuelles
Veranstaltungen
Projekte / Aufgaben
Ergebnisse
Sinngarten
Selbsthilfegruppen
Internetcafe
für Senioren
Vorträge
Ordophact
Brandis fit fürs Alter
Betreuungsangebote
Altershilfepreis
Ausstellungen
Sponsoren

Alzheimer: 4600 Erkrankte im Kreis (23.10.2009)

Akteure wollen Regionalgruppe der Alzheimergesellschaft gründen / Interessenten sollen sich bis Ende Oktober melden

Landkreis Leipzig. Fast 4600 Menschen im Kreis haben Alzheimer. 1385 Neuerkrankungen diagnostizierten Ärzte hier innerhalb von nur zwölf Monaten bis August 2008. Nun soll eine Regionalgruppe der Alzheimergesellschaft Sachsen gegründet werden. Darauf verständigten sich unlängst Teilnehmer
einer Fachtagung im Landratsamt. Im Landkreis entsprechende Lösungen zu finden, wünscht sich auch Landrat Gerhard Gey (CDU).

Martin Hartung aus Deutzen ist einer der 4597 Landkreisbewohner (Stand März 2008), die an Alzheimer erkrankt sind. "Das Schlimmste ist, dass man sehen muss, wie der Mensch immer mehr zerfällt, ohne dass man etwas tun kann", sagt seine Frau Karin nach 48 Ehejahren. In der Expertenrunde trug die 68-Jährige eine bewegende Liebeserklärung an ihren Mann vor. "Das Einzige, was ich noch geben kann, ist meine Nähe und Zuwendung", so die Deutzenerin.

"Demente haben Anspruch auf Lebensqualität, Würde und gesellschaftliches Leben", hob Hans-Werner Bärsch aus Brandis, Vorstandmitglied der Alzheimergesellschaft Sachsen, auf der Fachtagung hervor. Als positives Beispiel stellte er gemeinsam mit dem Kreativitätspädagogen Klaus Arweiler Bilder vor, die Demente im Brandiser Pflegeheim Bergstraße mit Unterstützung von Gymnasiastinnen malten.

"Wir müssen an einer Front kämpfen", forderte Hans-Werner Bärsch die Akteure aus dem Kreis auf und schlug vor, eine Regionalgruppe Leipziger Land der Alzheimergesellschaft zu gründen. Diese Gruppe würde den Austausch fördern, Schulungen organisieren, man könne "gemeinsam mit den Kassen streiten".

Er würde sich beteiligen, erklärte Ralf Sultzer, ärztlicher Leiter des Helios Geriatriezentrums Zwenkau, auf der Fachtagung in Borna. "Ich finde es schön, dass wir zusammensitzen, uns vernetzen", betonte er. "Eine Regionalgruppe fände ich toll", stimmte auch Karina Keßler, Sozialamtsleiterin in der Kreisverwaltung, zu. Der Landkreis habe alle entsprechenden Einrichtungen angeschrieben, um bestehende Angebote im Bereich Demenz zusammenzutragen und sie dann über den Altenhilfeplan öffentlich zu machen. Keßler: "Wir wollen das Thema Alzheimer aus der Ecke holen, es gibt schon viel auf dem Gebiet."

Karin Hartung schöpft neue Kraft aus der Selbsthilfegruppe für Angehörige demenziell Erkrankter in Geithain, wo ihr Mann im Seniorenheim lebt. Ilona Denecke, Chefin des Geithainer Seniorenheimes, stellte auf der Tagungdie Gruppe vor. Ähnliche Angebote gibt es in Brandis und Wurzen.

Seit drei Jahren lädt in Grimma das Demenzcafé ein, erzählte wiederum Antje Lorenz, Pflegedienstleiterin von der Diakonie Muldentalkreis. "Wir sollten uns alle an einen Tisch setzen, damit wir gemeinsam etwas erreichen", erklärte auch sie.

Wer in der Regionalgruppe der Alzheimergesellschaft mitwirken will, kann sich bis Ende Oktober melden - per Mail unter info@alzheimergesellschaft-sachsen.de oder telefonisch im Landratsamt unter 03433/2 41 21 01

Inge Engelhardt

@ www.alzheimergesellschaft-sachsen.de

DREI FRAGEN AN ...
... Psychologe Rudolf Werner (Dresden), Experte für Alzheimer

Was ist für Angehörige von Alzheimerkranken das größte Problem?

Dass sie Ursachen und Quellen des Verhaltens Betroffener nicht kennen. Ein Dementer tut nie etwas Unsinniges, will auch niemanden ärgern - er reagiert so, wie es in einem bestimmten Lebensabschnitt normal und angemessen war. Mit den Händen zu essen, ist uns beispielsweise angeboren. Wir müssen das Umfeld entsprechend anpassen - Kartoffelbrei kann man nicht mit den Fingern essen, Rösti schon.

Was ist der größte Fehler, der Angehörigen das Leben zusätzlich schwer macht?

Sie beschäftigen sich zu viel mit Fehlleistungen und Verlusten des Dementen, sehen zu wenig, was noch da ist. Wenn eine Alzheimerpatientin ihre Tochter für die eigene Mutter hält, erkennt sie den Besuch
doch als Mitglied der Familie - entsprechend positiv sollte die Reaktion sein. Anders als Kindern kann man einem Dementen nichts mehr beibringen, Betreuer müssen an das anknüpfen, was biografisch erhalten ist.

Kann man gegen Alzheimer vorbeugen - bringt Früherkennung etwas?

Während beispielsweise Hirngefäßdemenz auch mit zu cholesterinreicher Ernährung verbunden ist, gibt es gegen Alzheimer-Demenz keine Vorbeugung. Sie ist im Alter eine Folge des Hirnalterungsprozesses, den kann man allerdings verlangsamen, beispielsweise durch soziale Kontakte - ob Wandergruppe oder Chor. Je eher Alzheimer medikamentös behandelt wird, um so günstiger ist der Verlauf. Deshalb ist es am Wichtigsten, das Erscheinungsbild der Alzheimererkrankung in unserer Gesellschaft bekannt zu machen. Erster Ansprechpartner ist immer der Hausarzt.

Interview: Inge Engelhardt

Leipziger Volkszeitung Ausgabe Muldental 21.10.2009

zurück zur Übersicht

Copyright © Förderverein Altershilfe Muldental e.V. | Design Jens Abicht