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"Solche Menschen galten als verrückt" (04.10.2013)

Hans-Werner Bärsch, Vorsitzender des Fördervereins Altershilfe Muldental, über die Symptome der Alzheimer-Krankheit, die Scham der Angehörigen und die Suche nach einem Impfstoff.
Frage: Herr Bärsch, mein Vater vergisst öfter, wo er seinen Schlüssel hingelegt hat. Muss ich mir Sorgen machen, dass er vielleicht Alzheimer hat?
Hans-Werner Bärsch: Es gibt da ein gutes Beispiel: Wenn ich meinen Schlüssel verlegt habe und weiß, dass ich ihn suche, ist alles in Ordnung. Wenn ich gar nicht mehr weiß, dass ich ihn verlegt habe - das ist ein erstes Zeichen dafür, dass das Erinnerungsvermögen gestört ist.
Welches sind weitere typische Symptome der Alzheimerkrankheit?
Orientierungslosigkeit, Wortfindungsstörungen, Rückzug, Angst, Aggression. Die Früherkennung ist sehr wichtig, deshalb gleich zum Arzt gehen.
Sie fordern, dass man bei seinen Mitmenschen auf Anzeichen der Krankheit achten soll. Wie stellen Sie sich das konkret vor?
Nehmen Sie zum Beispiel eine Bankangestellte, die mitbekommt, dass eine Rentnerin plötzlich jede Woche 500 Euro abhebt. Da müsste sie den Angehörigen sagen: Mit eurer Oma stimmt was nicht. Das Umfeld sollte aufmerksam sein. Man sollte keine Berührungsängste haben und soziale Kontakte aufrecht erhalten.
Die Alzheimer-Krankheit ist nicht heilbar. Kann man trotzdem etwas tun, um den Verlauf hinauszuzögern?
Gedächtnis- und Bewegungstraining machen, viel trinken, sich unterhalten. Wichtig ist auch, den Betroffenen ins Leben zu integrieren - ihn mitzunehmen in die Sportgruppe, zum Einkaufen, in den Gesangsverein. Man sollte die Person nicht verstecken, aber das machen bei uns in der ländlichen Region noch sehr viele Leute.
Weil es den Angehörigen unangenehm ist?
Das ist das Problem. Bis in die 70er Jahre galten solche Menschen als alt, verkalkt und verrückt. Das Thema Alzheimer und Demenz wird in der Öffentlichkeit nach wie vor kaum wahrgenommen. Viele Angehörige outen sich nicht, weil die Krankheit in der Öffentlichkeit anders als Krebs nicht akzeptiert wird. Dabei ist Alzheimer eine Krankheit, die immer mehr zunimmt, weil wir alle älter werden. Über 90 ist jeder Dritte betroffen.
Was raten Sie Angehörigen, wie sie mit der Situation umgehen sollten?
Sich mit der Krankheit beschäftigen. Ich empfehle außerdem, sich einer Selbsthilfegruppe anzuschließen. Da kann man sich mal ausheulen, sich austauschen. Es gibt Kraft und Trost, zu wissen, dass es Menschen gibt, denen das gleiche Schicksal widerfahren ist.
Wird es für Alzheimer irgendwann ein Medikament geben?
Schwer zu sagen. Viele Wissenschaftler - unter anderem aus Halle - forschen dazu. Vielleicht kann man in Zukunft mit Impfungen etwas erreichen und den Zerfall der Nervenbahnen damit aufhalten.

Interview: Gina Apitz
Leipziger Volkszeitung Ausgabe Muldental 02.10.2013 Seite 33

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