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Reduzierte Reserven und erhöhte Risiken (17.03.2013)

Alte – auch hochaltrige – Menschen sind nicht alle krank und in ihrer Selbstständigkeit beeinträchtigt. Dennoch gibt es mit zunehmendem Alter typische Veränderungen. Für die Leistung vieler Organsysteme (bspw. Muskelkraft, Pumpleistung des Herzens, Atemkapazität, Nierenfunktion, Nervenleitgeschwindigkeit u.a.m.) gibt es ein Maximum zwischen dem 15. und 30. Lebensjahr. Danach sinkt dieses ab – bei der einen Funktion etwas langsamer, bei der anderen etwas schneller. In begrenztem Umfang sind einzelne Kurven durch Prävention (z.B. Training) im Sinne eines langsameren Abfalls beeinflussbar, prinzipiell sind sie jedoch „altersphysiologisch“ und nach derzeitigem Stand der Wissenschaft unvermeidlich.
Angesichts relativ hoher Reserven in den meisten Organfunktionen ist es aber trotz dieser Einbußen auch im Alter noch lange möglich, ohne erkennbare äußere Beein-
trächtigungen den Anforderungen des täglichen Lebens gewachsen zu sein.
Relevant wird dieser Reserveverlust oft erst bei akuten Krankheitsereignissen. 2
Während ein jüngerer Mensch bspw. immobilisationsbedingten Muskelabbau, medikamentöse Nierenmehrbelastung oder stressassoziierten Umgebungswechsel lange kompensiert, kann es unter den gleichen Voraussetzungen beim älteren Menschen zu Mobilitätsverlust, Nierenversagen oder deliranten
Verwirrtheitszuständen kommen.
Er bedarf zusätzlicher Behandlungsinterventionen, soll hieraus keine dauerhafte Einbuße seiner Selbstständigkeit resultieren. Dabei kann ein derart gefährdeter Patient in seinem bisherigen Lebensalltag durchaus noch komplett selbstständig gewesen sein, weswegen die Geriatrie in diesem Kontext auch von Vulnerabilität spricht.

Ein weiterer, die Reserven im Alter einschränkender Faktor sind oft mit Multimorbidität einhergehende Behinderungen. So schränken bspw. auch eine beginnende Demenz oder Schmerzen bei Kniegelenkarthrosen die Reserven für den Wiedergewinn der Gehfähigkeit nach einem zusätzlichen Schlaganfall deutlich ein.
Folge dieser verminderten Reserven sind erhöhte Risiken. Bereits banale Alltagsaktivitäten wie das Putzen eines Hängeschrankes oder der Spurt auf einen Bus gehen mit einem erhöhten Unfallrisiko einher. Vor allem können aber bereits banal erscheinende Krankheitsereignisse wie bspw. ein fieberhafter Harnwegsinfekt, eine oft nur subklinisch verlaufende Lungenentzündung oder eine einfache Fraktur zu bedrohlichen Komplikationen und scheinbar völlig überraschenden Einbrüchen der bisherigen Selbstständigkeit führen. Nicht zuletzt machen reduzierte Reserven
alte Menschen auch anfälliger gegenüber Kontextfaktoren bspw. dem Verlust eines emotional oder lebenspraktisch stützenden Ehepartners oder Defiziten einer Verkehrsinfrastruktur, die irgendwann bspw. durch alternative Nutzung eines Fahrrads nicht mehr kompensiert werden können.

Das Konzept der Internationalen Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit (ICF) (DIMDI 2005) als ein interaktives Modell der vielfältigen Komponenten und Wechselwirkungen von funktionaler Gesundheit
gewinnt daher im Alter eine noch herausragendere Bedeutung – sowohl für das Verständnis von Funktionsfähigkeit und Behinderung als auch für mögliche Versorgungsansätze.

Zusammengefasst ist die Situation alter und hochaltriger Menschen durch ein erhöhtes Risiko auf Grund eingeschränkter Reservekapazitäten, bedingt durch altersphysiologische Veränderungen und ggf. schon manifeste Schädigungen von Körperstrukturen und –funktionen, charakterisiert.
Aufgrund dieses Risikos können bereits geringfügige zusätzliche Gesundheitsprobleme oder Einflüsse von umwelt-/ personbezogenen Kontextfaktoren dauerhaft zu wesentlichen Beeinträchtigungen ihrer bisherigen Aktivitäten oder Teilhabe (ggf. bis hin zur Pflegebedürftigkeit) führen.


Aus der Altersforschung Informationsdienst Altersfragen 39 (6), 2012

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