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"Beratung wird dringend gebraucht" (23.02.2013)


Ende März schließt die Demenz-Pflegeberatung im Bennewitzer Rathaus / Brigitte Röttgen will weiter Ansprechpartnerin bleiben

Bennewitz. Ende März ist Schluss: Dann stellt die Pflegeberatung im Bennewitzer Rathaus ihre Arbeit ein. Seit August 2011, so blickt Brigitte Röttgen zurück, haben nur etwa 20 Menschen bei ihr oder ihren Mitstreiterinnen aus der Selbsthilfegruppe für Angehörige Demenzkranker Rat gesucht. Das waren Männer und Frauen, die bei Familienmitgliedern Alzheimer befürchten oder die es schwarz auf weiß haben, dass Eltern oder Lebenspartner an dem tückischen Leiden erkrankt sind. Das sei für die Initiative der Altenheimgesellschaft in Zusammenarbeit mit dem Förderverein Altershilfe Muldental zu wenig Resonanz, um das Zimmer bei der Gemeindeverwaltung auch künftig zu mieten.

Ein weiterer Grund für das Aus der Beratungsstelle: Mitarbeiterinnen des Ambulanten Pflegedienstes, der zusätzlich jeweils donnerstags von zehn Uhr bis zwölf Uhr unter anderem Auskunft über den Demenzservice und Fragen der Finanzierung gibt, können diese Zeit inzwischen kaum noch aufbringen.

Dennoch weiß Brigitte Röttgen als Vorsitzende der Bennewitzer Selbsthilfegruppe, dass die Besucherzahlen wenig aussagen. Der Bedarf an Aufklärung sei hoch. Den Menschen fehle aber oft der Mut, in die Sprechstunde zu kommen. Möglicherweise spiele auch die Zeitfrage durch berufliche Belastungen eine Rolle oder es sei schwierig, demente Angehörige längere Zeit sich selbst zu überlassen. Dennoch: "Beratung wird dringend gebraucht", ist Brigitte Röttgen überzeugt. "Deshalb mache ich weiter."

Ganze Familien besuchten dienstags von 15 Uhr bis 17 Uhr ihre ehrenamtliche Sprechstunde. Da ging es um Betreuungsvollmachten, Symptome der Krankheit, Tipps für den Alltag oder um die Sorge, dass demente Angehörige mit Führerschein einen Verkehrsunfall verursachen könnten. Immer wieder gefragt waren auch Informationen zu Pflegestufen und finanziellen Hilfen der Krankenkassen, die umfangreicher seien, als viele vermuteten. "Die Krankheit hat Tausend Gesichter, kein Fall ist wie der andere. Und es kann jeden treffen", weiß Brigitte Röttgen, die mit ihrem verstorbenen Vater selbst diese leidvolle Erfahrung machte.

Deshalb rät sie jedem betroffenen Angehörigen, sich frühzeitig Hilfe zu holen. "Dann ist man vorbereitet auf den gemeinsamen Weg, und hat bessere Chancen, dass man die Pflege selbst übersteht. Denn darum geht es: ums Überleben", verdeutlicht die 68-Jährige.

"Die Leute gehen mit einer Checkliste nach Hause und der Zusicherung, dass sie auf Wunsch jederzeit telefonisch unterstützt werden", schildert Brigitte Röttgen die Arbeit in der Beratungsstelle. "Ganz wichtig ist auch: Was gesprochen wird, bleibt im Raum. Diskretion ist selbstverständlich. Wir haben Netzwerke aufgebaut und können hilfreiche Tipps vermitteln, aber auch unsere Partner anrufen und so wirksam Hilfestellung geben."

Eine Erfahrung macht Brigitte Röttgen jedoch immer wieder: Die meisten holen sich erst spät Hilfe. Das sei ein fataler Fehler. Mit Medikamenten ließe sich der Verlauf der Erkrankung verzögern, wenn man frühzeitig einen Facharzt zu Rate zieht.

Immer wieder weist sie auf die Bedeutung der Selbsthilfegruppe hin, den monatlichen Austausch Betroffener, der auch in Wurzen, Brandis Grimma, Colditz und Bad Lausick möglich ist. Die Bennewitzer Gruppe trifft sich am Mittwoch, dem 27. Februar, 14 Uhr, wieder in Eckls Pizzeria. Was es bedeutet, den Mut aufzubringen, und sich außerhalb der eigenen vier Wände Hilfe zu holen, wisse jedes der Mitglieder nur zu genau. "Es geht im Zusammenleben mit einem Kranken jahrelang möglicherweise ganz gut, aber schlagartig kann sich die Situation verschärfen. Da ist jeder, der bereits hilfreiche Kontakte hat, in einer günstigeren Position", ermutigt Brigitte Röttgen zum Schritt nach draußen.

Ihr schwebt vor, nach Schließung der Beratungsstelle ab April den Dienstag beizubehalten und einmal im Monat von 15 Uhr bis 18 Uhr im Rathaus wie bisher als Ansprechpartnerin zur Verfügung zu stehen. Ingrid Leps

Selbtshilfegruppe Alzheimer-Demenz-Angehörige Bennewitz, Ansprechpartnerin Brigitte Röttgen, b.roettgen@foerderverein-altershilfe.de, Telefon 03425/911029

Text zum Foto: Ansprechpartnerin für Angehörige Demenzkranker: Brigitte Röttgen.

Leipziger Volkszeitung Ausgabe Muldental 21.02.2013, Seite 27
Foto: Klaus Peschel

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