Förderverein Altershilfe Muldental e.V.
 
   

Förderverein Altershilfe Muldental e.V., An den Birken 1, 04821 Brandis

 
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JA zum Alter! - Erklärung der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO) und ihrer 110 Mitgliedsorganisationen zum Abschluss des - "Hamburger Erklärung" (13.05.2012)

Die in der BAGSO zusammengeschlossenen Organisationen setzen sich für ein selbstbestimmtes, aktives und engagiertes Älterwerden in sozialer Sicherheit ein. Sie sind überzeugt, dass die Teilhabe älterer Menschen dem Einzelnen, aber auch der gesamten Gesellschaft zugutekommt. In einer Gesellschaft, die nicht nur älter wird, sondern auch schrumpft und „bunter“ wird, kann die von vielen Älteren prak-tizierte Solidarität mit allen Generationen Vorbild sein. Sagen wir also JA zu einem Älterwerden in einer Gesellschaft für alle!

Wir leben in einer Gesellschaft des langen Lebens. Der demografische Wandel bedeutet Herausforderung und Chance – für den Einzelnen und für die Gesellschaft. Die in der BAGSO zusammengeschlossenen Organisationen setzen sich für ein aktives Altern ein und wenden sich entschieden gegen den „Anti-aging“ Trend in unserer Gesellschaft. Das Alter ist durch eine Fülle von unterschiedlichen Lebensformen und Lebensstilen gekennzeichnet. Das kalendarische Alter sagt wenig über einen Menschen aus.
Freuen wir uns über die zunehmende Lebenserwartung und versuchen alles dafür zu tun, dass die gewonnenen Jahre auch zu erfüllten Jahren werden. Dazu ist jede und jeder Ein-zelne von uns aufgerufen, aber auch die Gesellschaft ist in vieler Hinsicht gefordert. Sagen wir JA zum Älterwerden und sagen wir bewusst auch JA zum Alter!

JA zu einem möglichst gesunden Älterwerden

Die Lebenserwartung ist in den letzten 50 Jahren enorm gestiegen. Dazu haben neue Er-kenntnisse und Entwicklungen in Medizin, Medizintechnik und Pharmakologie wie auch ein gesundheitsbewussterer Lebensstil beigetragen. Wir wissen heute: Alter ist keine Krank-heit, doch die Wahrscheinlichkeit, krank zu werden, steigt mit zunehmendem Alter. Eigen-verantwortung ist gefordert und zwar ein Leben lang. Körperliche, geistige und soziale Ak-tivitäten tragen neben einer ausgewogenen Ernährung zu einem möglichst gesunden Äl-terwerden bei. Politik, Kommunen und Unternehmen müssen Rahmenbedingungen schaf-fen und entsprechende Angebote fördern.
Prävention und Rehabilitation sind in allen Lebensphasen möglich und sinnvoll, auch bei chronischer Erkrankung, Behinderung oder Pflegebedürftigkeit. Deshalb fordern wir den Ausbau aller Formen von Prävention, auch für Bewohnerinnen und Bewohner von Alten- und Pflegeheimen, auch für demenziell Erkrankte. Die Grundsätze „Prävention vor Rehabilitation“ und „Rehabilitation vor Pflege“ müssen in die Realität umgesetzt und um den Grundsatz „Prävention und Rehabilitation bei Pflege“ erweitert werden.
Wir brauchen ein neues Verständnis von Pflege, das die Selbstbestimmung pflegebedürf-tiger Menschen und ihre gesellschaftliche Teilhabe in den Vordergrund stellt.
Ein schonender Umgang mit den Ressourcen unseres Gesundheitssystems liegt im Inte-resse aller. Mit Nachdruck wenden wir uns jedoch gegen jede, auch verdeckte Form von Rationierung medizinischer Leistungen. Wir setzen uns für eine Stärkung von Patientenrechten sowie für die Verbesserung der Beratungs- und Behandlungsqualität ein.

JA zu einem lebenslangen Lernen

Wir müssen heute lernend altern und Altern lernen. Die Bereitschaft zum lebenslangen Lernen ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für ein erfolgreiches Älterwerden. Das betrifft die beruflichen Fähigkeiten und Fertigkeiten ebenso wie außerberufliche Kompe-tenzen.
Berufsbezogene Weiterbildung ist als Teil eines umfassenden betrieblichen „Alternsmana-gements“ neben betrieblicher Gesundheitsfürsorge eine wesentliche Voraussetzung für eine längere Berufstätigkeit. Unverzichtbar ist die Anpassung des Arbeitsplatzes an die Beschäftigten. In diesem Zusammenhang fordern wir familienfreundliche Arbeitsplätze, die eine Vereinbarkeit der Berufstätigkeit sowohl mit der Kindererziehung als auch mit der Pflege ermöglichen. Dies erfordert eine größere Flexibilität im Arbeitsleben und beim Übergang in die nachberufliche Zeit.
Lernen ist ein lebenslanger Prozess, in dem wir täglich neue Erfahrungen sammeln und unser Verhalten ändern. Wir sollten gegenüber Neuem aufgeschlossen sein und neugierig bleiben. Ein selbstständiges und selbstbestimmtes Leben ohne moderne Informations- und Kommunikationstechnologie ist heute immer schwerer möglich. Bildungseinrichtun-gen, Vereine und Verbände können ältere Menschen unterstützen, mit den technischen Entwicklungen Schritt zu halten.

JA zu einem engagierten Alter

Nach dem Ende der Berufstätigkeit haben viele Menschen oft noch ein Viertel ihres Le-bens vor sich, einen großen Teil davon bei relativ guter Gesundheit. Viele Ältere übernehmen Aufgaben innerhalb und außerhalb ihrer Familie und tun damit nicht nur etwas für andere, sondern auch für sich selbst.
In der Familie stehen sie den Kindern bei, indem sie die Enkel betreuen, oder sie sorgen für Angehörige. Um die Solidarität in Familien gerade bei länger andauernder Pflege nicht zu überfordern, braucht es flächendeckende Entlastungsangebote für pflegende Angehörige, wie z.B. Unterstützung durch ehrenamtliche Pflegebegleitung, sowie wirksame Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Pflege.
Viele Seniorinnen und Senioren engagieren sich zudem im sozialen, kulturellen oder kirch-lichen Bereich, in Politik, Verbänden und Gewerkschaften, im Sport, in Selbsthilfegruppen oder projektbezogenen Initiativen. Auch den sozialen Nahraum wollen ältere Menschen mitgestalten. Der Wunsch nach Mitverantwortung, Selbstbestimmung und Partizipation sind dabei die Triebfedern für ihr bürgerschaftliches Engagement.
Die Politik ist gefordert, Rahmenbedingungen für ein solches Engagement zu schaffen und diese den sich ändernden Bedürfnissen, gerade auch älterer Menschen, anzupassen. Das freiwillige Engagement darf jedoch nicht instrumentalisiert werden und zu einer Verdrän-gung von Erwerbsarbeit führen. Eine Verpflichtung zum Engagement lehnen wir ab.

JA zu einer Gesellschaft des Miteinanders

Die Herausforderungen, die das Älterwerden für Einzelne und die Gesellschaft mit sich bringt, können nur gemeinsam bewältigt werden. Dies verlangt eine gelebte Solidarität zwischen Jung und Alt, zwischen Reich und Arm, zwischen Menschen mit und ohne Be-hinderung, zwischen Menschen unterschiedlichen Glaubens oder verschiedener Kulturen.
Eine solche Solidarität kann nicht verordnet werden. Sie erwächst aus gegenseitigem Ver-ständnis, Toleranz und der Fähigkeit, sich in die Lebenssituation anderer einzufühlen. So-lidarität kann sich daher nicht durch ein Nebeneinander, sondern nur durch ein Miteinan-der entwickeln.
Staat und Gesellschaft müssen Voraussetzungen und Rahmenbedingungen dafür schaf-fen, dass alle Bürgerinnen und Bürger selbstständig, selbstbestimmt und gleichberechtigt am Leben der Gesellschaft teilhaben können. Alle sind aufgefordert dazu beizutragen, Barrieren abzubauen, damit die „eine Gesellschaft für alle“ Wirklichkeit werden kann.

JA zu einem selbstbestimmten Wohnen

Die große Mehrheit älterer Menschen wünscht sich, möglichst lange in den eigenen vier Wänden und der ihnen vertrauten Umgebung wohnen zu bleiben. Deshalb ist es eine vor-rangige Aufgabe der Politik, den altersgerechten Umbau sowie den barrierefreien Neubau von Häusern und Wohnungen zu fördern und dafür zu sorgen, dass das Wohnen im eige-nen Quartier bezahlbar bleibt.
Neue Formen des gemeinschaftlichen Wohnens gewinnen an Bedeutung. Für die einen mag die Haus- oder Wohngemeinschaft Gleichaltriger das Richtige sein, andere ziehen das Mehr-Generationen-Wohnen vor. Auch für Pflegebedürftige, vor allem für Menschen mit Demenz, können Wohngemeinschaften die Lebensqualität positiv beeinflussen.
Darüber hinaus muss die Vernetzung von sozialen Dienstleistungen mit Strukturen des freiwilligen Engagements und der Nachbarschaftshilfe gefördert werden.
Auch das Wohnumfeld, der Verkehrsraum und öffentlich zugängliche Gebäude müssen barrierefrei gestaltet werden. Neben einer guten Nahversorgung muss es ausreichend An-gebote in den Bereichen Kultur, Sport, Bildung und Begegnung geben. Seniorengerecht heißt menschengerecht; wir brauchen „eine Stadt für alle Lebensalter“.

JA zu einem Alter in sozialer Sicherheit

Für die meisten Rentnerinnen und Rentner haben funktionierende Sozialsysteme bisher für angemessene Alterseinkommen gesorgt. Von Altersarmut waren in der Vergangenheit – und sind auch heute noch – vor allem allein stehende Frauen betroffen. Die soziale Si-cherheit im Alter ist eine grundlegende Voraussetzung dafür, dass sich ältere Menschen auch künftig freiwillig engagieren können. Und auch die Möglichkeiten, Verantwortung für die eigene Lebensgestaltung zu übernehmen oder eine altersgerechte Wohnumgebung zu schaffen, stehen in unmittelbarem Zusammenhang mit der sozialen Lage der Einzelnen.
Mit großer Sorge betrachten die in der BAGSO zusammengeschlossenen Organisationen daher den eingeleiteten Umbau dieser bislang verlässlichen sozialen Sicherungssysteme. Vor allem die Einschnitte in das Alterssicherungssystem sind alarmierend. So wird ein Durchschnittseinkommen künftig nach 35 Beitragsjahren gerade einmal einen Rentenan-spruch in Höhe der sogenannten Grundsicherung im Alter ergeben. Diese dramatische Absenkung muss, vor allem im Interesse künftiger Rentnergenerationen, gestoppt werden, da betriebliche und private Altersvorsorge nicht für alle zugänglich bzw. erschwinglich sind.
Dringend notwendig sind auch Korrekturen am Arbeitsmarkt. Niedriglöhne, Arbeitslosig-keit, unstete Beschäftigungsverhältnisse und Erwerbsminderung nehmen vielen Menschen die Chance auf eine auskömmliche Altersrente.
Gesundheit und Pflege müssen für alle, auch für die Seniorinnen und Senioren von mor-gen und übermorgen, bezahlbar bleiben.

JA zu einem würdevollen Sterben

Ein „Ja zum Alter!“ schließt die Auseinandersetzung mit dem Lebensende ein. Das Ster-ben gehört zum Leben. Es aus dem eigenen Leben zu verdrängen, verhindert auch einen achtungsvollen Umgang mit dem Sterben anderer.
Eine aktive Sterbehilfe lehnen wir ab. Die Bereitschaft, Schwerkranken und Sterbenden, aber auch deren Angehörigen beizustehen, ist zu unterstützen. Die Förderung dieses – häufig ehrenamtlichen – Dienstes muss intensiviert werden, z. B. durch Qualifizierung, Hilfestellung und Begleitung. Deshalb sind Palliativmedizin und Palliativpflege flächende-ckend auszubauen, ebenso die Hospizdienste.
Hamburg, den 5. Mai 2012

Herausgeber:
Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen e.V. (BAGSO)
Bonngasse 10, 53111 Bonn
Tel:: 02 28 / 24 99 93 0, Fax: 02 28 / 24 99 93 20
E-Mail: kontakt@bagso.de
Die BAGSO vertritt über ihre 110 Mitgliedsorganisationen etwa 13 Millionen ältere Men-schen in Deutschland.
Weitere Informationen unter:
www.bagso.de
www.deutscher-seniorentag.de

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