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Am Alltag nicht zerbrechen (17.02.2012)

Alzheimer und Demenz: Beratungsstelle im Bennewitzer Rathaus hilft Angehörigen

Bennewitz. Keine Frage: Die Beratungsstelle für pflegende Angehörige von Menschen, die an Demenz oder Alzheimer erkrankt sind, wird gut angenommen. Nicht nur aus der Gemeinde, sondern auch aus Hohburg und Röcknitz, sogar aus dem Torgauer Raum kommen Männer und Frauen, die in ihrem schwierigen Alltag Hilfe
und Unterstützung brauchen ins Bennewitzer Rathaus. Brigitte Röttgen, Beate Tost und Christine Lehmann wissen aus eigener Erfahrung, dass es für diese Menschen um nicht weniger als das eigene Überleben geht.

Der Informationsbedarf zu Pflegeproblemen, zur den Krankheitsbildern von Demenz und Alzheimer als ihrer häufigsten Form ist groß. Dabei kristallisiert sich für die drei Frauen bei der ehrenamtlichen Beratung als großes Thema der Umgang mit niedrigschwelligen Betreuungsangeboten heraus. Das Problem: Die Krankenkassen finanzieren nur professionelle Begleitung, akzeptieren keine Nachbarn oder andere bekannte Gesichter. Damit werde jedoch übersehen, dass es den Patienten schwerfällt, sich auf Fremde einzustellen. „Wir müssen mit Nachdruck auf diesen Widerspruch aufmerksam machen und auch die Politik dafür sensibilisieren“, hebt Röttgen hervor, die Leiterin der Bennewitzer Selbsthilfegruppe von Angehörigen Demenzkranker. Aus ihrer Sicht sei es schwer nachvollziehbar, dass Behörden als Argument dafür möglichen Missbrauch von Geldern ins Feld führen.

Schwerpunkt sei auch die Beratung über Pflegestufen. „Wir setzen uns mit den Leuten hin und schauen, welche Schritte sie tun können, um wirksame Hilfe zu erlangen“, erzählt Röttgen. Das Wichtigste sei für Angehörige das Gespräch, das Verständnis für ihre extreme Situation, die auch mit Episoden besetzt sei, die sich im Normalfall keiner vorstellen könne. Dass jedes Wort im Raum bleibe, sei selbstverständlich. Für Ratsuchende sei es eine große Erleichterung, dass die drei Frauen aus der Selbsthilfegruppe ganz persönlich leidvolle Erfahrungen mit der Krankheit von Partnern, des Vaters gemacht haben und so ein authentischer Austausch möglich sei.

Tost zum Beispiel betreute ihren Lebensgefährten, mit dem sie elf Jahre zusammen war, bis zu seinem Tod sechs Jahre lang. Heute wünschte sie sich, dass sie eher auf so wirkungsvolle Hilfsangebote gestoßen wäre wie die der Beratungstelle. „Ich habe durch die Selbsthilfegruppe Unterstützung bekommen,
von der Betreuung bis zum Heimantrag“, blickt sie heute zurück. Für sie ist der ehrenamtliche Einsatz auch ein Stück Trauerarbeit. „Wir ermutigen alle, die Selbsthilfegruppe auch nach dem Tod des Kranken weiter zu besuchen“, betont Röttgen. So bleiben der Gruppe ihre Erfahrungen erhalten.

„Wir kennen den Verlauf der Krankheit und wissen, was auf die Familienmitglieder zukommt. Das ist hart. Bei jedem äußert sich die Krankheit anders. Wir sind sehr froh, dass wir Betroffenen helfen können, ihre Angehörigen so lange wie möglich in ihrer vertrauten Umgebung zu lassen“, umreißt Röttgen das Anliegen von Beratungstelle und Selbsthilfegruppe.

Auch bei den Treffen, die in Bennewitz inzwischen etwa 17 Personen besuchen, spielen Themen aus der Sprechstunde eine Rolle, werden zur Erleichterung des Alltags unter anderem Tipps vom Krankenbett bis zum Rollstuhl gegeben. Die Gruppe trifft sich jeden letzten Mittwoch ab 14 Uhr im Bennewitzer Gasthof. In diesem Monat findet die Begegnung ausnahmsweise bereits am 22. Februar statt.

Der Anlaufpunkt in Zimmer 312 des Rathauses ist eine Initiative der Altenheimgesellschaft Muldental in Zusammenarbeit mit dem Förderverein Altershilfe.
Jeweils dienstags von 15 Uhr bis 17 Uhr stehen Mitglieder der Selbsthilfegruppe Betroffenen mit Rat und Tat zur Seite, donnerstags geben von 10 Uhr bis 12 Uhr Fachschwestern des Ambulanten Pflegedienstes Auskunft über den Demenzservice, ihr Arbeitsgebiet und Finanzierungsfragen.

Ingrid Leps

Text zum Foto: Hilfe aus erster Hand: Brigitte Röttgen leitet die Bennewitzer Selbsthilfegruppe und kennt die schwierige Situation pflegender Angehöriger genau.

Leipziger Volkszeitung Ausgabe Muldental 17.02.2012, Seite 15
Foto: Andreas Röse

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