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"Es geht hier um Menschen" (16.11.2011)

Altenpflegeheim Brandis feiert Jubiläum der Demenz-Abteilung mit kritischen Worten

Brandis. "Die Pflege braucht selbst Pflege." Das ist Hans-Werner Bärschs Fazit anlässlich der Feierstunde zum zehnjährigen Bestehen von Haus zwei im Brandiser Altenpflegeheim. Vorwiegend an Demenz erkrankte Bewohner verbringen in diesem Haus ihren Lebensabend - fernab des üblichen Alltages. Dennoch sieht Bärsch, der Vorsitzende des Fördervereins Altershilfe, erhebliche Defizite in der Pflegepolitik, die er in seiner Rede zum Jubiläum offen ansprach.

Integration sei bei Demenz der falsche Weg. In Brandis wagte man deshalb vor zehn Jahren einen neuen Ansatz: An Alzheimer erkrankte Senioren leben seither in kleinen Wohngruppen unter sich. Auf drei Etagen entstand so eine eigene kleine Welt. "Wir sehen, dass dieser segregative Weg besseren Erfolg hat", sagt Bärsch, der damals die Idee einer reinen Wohngruppe mit Demenzkranken hatte. Auch heute ist er darauf noch besonders stolz. Denn mittlerweile hat dieser Betreuungsansatz Schule gemacht. Vor zehn Jahren jedoch war die Einrichtung mit 30 Bewohnern eines der ersten Häuser dieser Art, Vorreiter in Sachsen. Durch die Trennung zwischen den Bewohnern würden Spannungen im normalen Heimalltag abgebaut. "Ein Gesunder versteht oft nicht die kognitiven Störungen der Demenzkranken", erklärt Bärsch, warum in Brandis seit zehn Jahren nicht auf Integration gesetzt wird. "Es ist nicht einfach, den entsprechenden Zugang zu den Erkrankten zu finden", ergänzt Andreas Ehrlich, Geschäftsführer der Altenheimgesellschaft Muldental.

Am 1. November 2001 zogen die ersten Bewohner in das neue Domizil, was zuvor für 1,7 Millionen Euro ausund umgebaut wurde. Auf mehr als tausend Quadratmetern Wohnfläche inklusive Wohnküchen und einer Dachterrasse werde besonders auf Gemütlichkeit geachtet. "Gemütlichkeit ist jedoch nur eine Seite", sagt Ehrlich, "die andere ist die Zuwendung und Betreuung." Und genau in diesem Punkt gebe es Defizite. Hans-Werner Bärsch bemängelte vor allem den Fachkräftemangel und das Negativ-Image der Altenheimpflege als solche. "72 Prozent der Altenheime bewerten ihre Lage als schlecht, sehen keine positive Marktentwicklung, obwohl die demografische Situation eine andere ist", sagt er mit Blick in die Zukunft. Dies müsse wachrütteln. Zunehmende Bürokratisierung, eine katastrophale Personalsituation und die geringe Wertschätzung des Pflegeberufes zwingen zum Handeln, so Bärsch, der ergänzte: "Es geht hier um Menschen, nicht um die Herstellung einer Ware."

Text zum Foto: Hans-Werner Bärsch bei der Feier zum Jubiläum der Demenz-Betreuung im Altenpflegeheim Bergstraße in Brandis.

Linda Dietze

Leipziger Volkszeitung Ausgabe Muldental 11.11.2011, Seite 17
Foto: Linda Dietze

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